Kann man bei Amazon als Privatperson verkaufen?
Die kurze Antwort: Nur sehr eingeschränkt. Wer gelegentlich gebrauchte Privatgegenstaende verkauft - das alte Smartphone, aussortierte Bücher, nicht mehr benötigte Möbel - der kann das grundsaetzlich als Privatperson tun. Sobald aber eine gewisse Regelmäßigkeit, Gewinnerzielungsabsicht oder der Verkauf von Neuware ins Spiel kommt, wird es rechtlich problematisch.
Dieser Artikel erklärt dir Schritt für Schritt, wo die Grenzen liegen, ab wann du ein Gewerbe anmelden musst und welche rechtlichen Pflichten auf dich zukommen.
Ab wann ist es gewerblich? Die Abgrenzung
Es gibt keine feste gesetzliche Schwelle - kein "X Artikel pro Monat"-Limit, ab dem automatisch ein Gewerbe nötig wäre. Stattdessen prüfen Gerichte und Finanzaemter mehrere Kriterien:
- Gewinnerzielungsabsicht: Kaufst du Ware ein, um sie teurer weiterzuverkaufen?
- Regelmäßigkeit: Verkaufst du wiederholt und planmaessig?
- Art der Ware: Neuware deutet stark auf gewerblichen Handel hin.
- Menge: Verkaufst du viele gleichartige Artikel?
Was sagt die Rechtsprechung?
Das LG Dessau-Rosslau hat 2017 entschieden, dass 15-25 Verkäufe pro Monat als gewerblich einzustufen sind. Ab etwa 30 Artikeln pro Monat wird es generell kritisch.
Fazit: Wer regelmäßig bei Amazon verkaufen möchte - auch mit kleinen Mengen - sollte ein Gewerbe anmelden. Die Kosten sind gering, die Risiken ohne Gewerbeanmeldung dagegen erheblich.
Steuerregeln für private Verkäufe
Bevor du dich mit dem Gewerbe beschaeftigst, hier die Regeln für tatsaechlich private Gelegenheitsverkäufe:
Steuerfreie Verkäufe
- Alltagsgegenstaende (Kleidung, Möbel, Haushaltsgeräte): Der Verkaufserloes ist steuerfrei - egal, ob du Gewinn machst.
- Andere Vermögensgegenstaende (Schmuck, Sammlerstücke, Krypto-Hardware): Hier gilt eine Spekulationsfrist von einem Jahr. Verkaufst du innerhalb von 12 Monaten nach dem Kauf mit Gewinn, ist dieser steuerpflichtig.
Die Freigrenze: 1.000 EUR seit 2024
Seit dem 01.01.2024 liegt die Freigrenze für private Veraeusserungsgeschäfte bei 1.000 EUR pro Jahr (vorher 600 EUR).
Wichtig: Das ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Wenn du 1.001 EUR Gewinn machst, wird der gesamte Betrag versteuert - nicht nur der eine Euro darüber.
DAC7 / PStTG: Amazon meldet ans Finanzamt
Seit 2023 ist Amazon gesetzlich verpflichtet, Verkäuferdaten an die Steuerbehoerden zu melden, wenn einer dieser Schwellenwerte erreicht wird:
- 30 oder mehr Transaktionen** pro Jahr, ODER
- 2.000 EUR oder mehr Umsatz pro Jahr
Das bedeutet nicht automatisch eine Steuerpflicht, aber das Finanzamt sieht die Daten. Wer "unter dem Radar" verkaufen will, sollte wissen: Das Radar ist laengst aktiv.
Gewerbe anmelden: So gehst du vor
Wenn du ernsthaft bei Amazon verkaufen willst, führt kein Weg am Gewerbe vorbei. Hier der Ablauf:
Schritt 1: Gewerbeanmeldung
- **Wo: Oertliches Gewerbeamt (oft auch online möglich)
- Kosten: 15-65 EUR je nach Gemeinde
- Benötigt: Personalausweis oder Reisepass
- Dauer: Oft sofort oder innerhalb weniger Tage
Schritt 2: Finanzamt
Nach der Gewerbeanmeldung wird das Finanzamt automatisch informiert. Innerhalb von 3-4 Wochen erhältst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Hier kannst du die Kleinunternehmerregelung beantragen und erhältst deine Steuernummer.
Schritt 3: Amazon Seller Account erstellen
Für die Registrierung benötigt Amazon:
- E-Mail-Adresse
- Personalausweis (Vorder- und Rückseite)
- Kontoauszug (als Adressnachweis)
- Steuernummer oder USt-ID
- Bankverbindung
- Telefonnummer
- Identitaetsverifizierung (Video- oder Foto-Verfahren)
Schritt 4: Rechtliche Pflichten erfuellen (siehe unten)
Schritt 5: LUCID-Registrierung
Dazu gleich mehr - das ist einer der häufigsten Stolpersteine.
Einzelkonto vs. Professionelles Konto
Amazon bietet zwei Kontoarten an:
| Merkmal | Einzelkonto | Professionell |
|---|---|---|
| Monatliche Gebühr | 0 EUR | 39 EUR/Monat |
| Gebühr pro Verkauf | 0,99 EUR | 0 EUR |
| Buy Box | Nein | Ja |
| PPC-Werbung | Nein | Ja |
| Gesperrte Kategorien | Kein Zugang | Freischaltbar |
| API-Zugang | Nein | Ja |
Break-even: Ab ca. 40 Verkäufen pro Monat ist das professionelle Konto günstiger.
Wichtig: Ohne professionelles Konto hast du keinen Zugang zur Buy Box - und ohne Buy Box gehen dir die meisten Verkäufe verloren. Wer ernsthaft verkaufen will, braucht das professionelle Konto. Und wer professionell repriced, braucht ein Tool wie arbytrage.io, das über die API optimale Preise setzt.
Kleinunternehmerregelung 2025: Neue Grenzen
Seit dem 01.01.2025 gelten neue Schwellenwerte für die Kleinunternehmerregelung nach SS 19 UStG:
| Alt (bis 31.12.2024) | Neu (ab 01.01.2025) | |
|---|---|---|
| Vorjahresumsatz | 22.000 EUR (brutto) | 25.000 EUR (netto) |
| Laufendes Jahr | 50.000 EUR (brutto) | 100.000 EUR (netto) |
Was hat sich geaendert?
- Die Schwellenwerte sind jetzt Netto-Betraege (vorher brutto).
- Die Grenze für das laufende Jahr hat sich von 50.000 EUR auf 100.000 EUR verdoppelt.
- Neu und wichtig: Wer die 100.000-EUR-Grenze im laufenden Jahr überschreitet, muss sofort** Umsatzsteuer abfuehren - nicht erst ab dem Folgejahr.
Als Kleinunternehmer musst du keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen ausweisen und keine USt-Voranmeldungen abgeben. Im Gegenzug kannst du keine Vorsteuer geltend machen.
*Ob die Kleinunternehmerregelung für deine Situation sinnvoll ist, solltest du mit einem Steuerberater besprechen.*
Rechtliche Pflichten: Das darfst du nicht vergessen
Dieser Abschnitt ist entscheidend. Die meisten Abmahnungen und Bussgelder treffen Verkäufer, die diese Pflichten nicht kennen oder ignorieren.
Impressum (TMG)
Jeder gewerbliche Verkäufer braucht ein vollständiges Impressum. Es wird in den Seller-Central-Einstellungen hinterlegt und muss Name, Adresse, Kontaktdaten und ggf. Handelsregisternummer enthalten.
Widerrufsbelehrung
Verbraucher haben ein 14-taegiges Widerrufsrecht. Du musst eine ordnungsgemaesse Widerrufsbelehrung inklusive Muster-Widerrufsformular bereitstellen. Fehlt diese, verlaengert sich die Widerrufsfrist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage.
VerpackG / LUCID-Registrierung
Die Registrierung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (LUCID) ist für alle Verkäufer Pflicht, die verpackte Ware an Endverbraucher versenden. Zusätzlich brauchst du eine Systembeteiligung (z.B. Grüner Punkt).
**Bussgelder: - Ohne LUCID-Registrierung: bis zu 100.000 EUR - Ohne Systembeteiligung: bis zu 200.000 EUR
Seit dem 01.07.2022 blockiert Amazon Verkäufer, die keine gültige LUCID-Nummer hinterlegt haben.
Wichtig für FBA-Verkäufer: Auch wenn Amazon die Logistik übernimmt, brauchst du eine eigene LUCID-Registrierung. Amazon erledigt das nicht für dich.
GPSR - EU-Produktsicherheitsverordnung (seit 13.12.2024)
Seit dem 13.12.2024 muss für jedes Produkt eine verantwortliche Person in der EU benannt werden. Das betrifft insbesondere importierte Ware. Name, Adresse und Kontaktdaten müssen auf dem Produkt oder der Verpackung stehen.
WEEE / ElektroG (nur für Elektronik)
Wer Elektro- oder Elektronikgeräte verkauft, muss bei der Stiftung EAR registriert sein. Amazon prüft das seit dem 01.07.2023 aktiv und sperrt Listings ohne gültige WEEE-Nummer.
CE-Kennzeichnung
Für viele Produktkategorien (Spielzeug, Elektronik, Maschinen u.a.) ist die CE-Kennzeichnung verpflichtend.
FBA oder FBM? Was eignet sich für Einsteiger?
| FBA (Fulfillment by Amazon) | FBM (Fulfillment by Merchant) | |
|---|---|---|
| Versand | Amazon | Du selbst |
| Prime-Badge | Ja | Nein (Seller Fulfilled Prime möglich) |
| Retouren | Amazon | Du selbst |
| Geeignet für | Die meisten Produkte | Grosse, schwere oder langsam drehende Ware |
Empfehlung für Einsteiger: FBA. Du bekommst das Prime-Badge, Amazon übernimmt Versand und Retouren, und du kannst dich auf Produktauswahl und Preisoptimierung konzentrieren.
Beim Thema Preisoptimierung spart dir ein automatischer Repricer viel Zeit und steigert deine Margen. arbytrage.io bietet Repricing für nur 40 EUR/Monat - mit Pan-EU-Support und intelligenter Buy-Box-Strategie.
Die häufigsten Fehler beim Amazon-Einstieg
- Verkaufen ohne Gewerbe - Rechtlich riskant, steuerlich problematisch
- LUCID/VerpackG vergessen - Führt zur Kontosperrung und hohen Bussgeldern
- Einzelkonto statt professionell - Kein Buy-Box-Zugang, keine Werbung, kein API-Zugang
- Kosten falsch kalkuliert - Amazon-Gebühren, Retouren, Steuern und Versandkosten fressen schnell die Marge
- Fehlende Widerrufsbelehrung/Impressum** - Abmahngefahr, oft mehrere hundert Euro pro Verstoss
Zusammengefasst
Bei Amazon als Privatperson zu verkaufen ist nur für gelegentliche Verkäufe gebrauchter Gegenstaende realistisch. Wer regelmäßig oder mit Neuware handeln möchte, braucht ein Gewerbe, muss steuerliche und rechtliche Pflichten beachten und sollte von Anfang an professionell aufgestellt sein.
Die gute Nachricht: Der Einstieg ist nicht kompliziert. Gewerbeanmeldung, Steuernummer, LUCID, Amazon-Konto - in wenigen Tagen bist du startbereit. Und mit dem richtigen Repricing-Tool holst du von Anfang an das Maximum aus deinen Preisen.
*Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Für deine individuelle Situation empfehlen wir, einen Steuerberater oder Rechtsanwalt zu konsultieren.*
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